Gedenkveranstaltung zum 27. Januar 1945
Die VVN-BdA Koblenz gestaltete eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus.
Der Kreisvorsitzende eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Anwesenden.

Liebe AntifaschistInnen, Freunde und Interessierte.
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das KZ und Vernichtungslager Auschwitz. Sie fanden in dem evakuierten Komplex noch 7.600 Überlebende, davon 500 Kinder und 650 Leichen. In den Magazinen fanden die Befreier
843.000 Herrenanzüge
837.000 Damenmäntel und Kleider
44.000 Paar Schuhe
und 7, 7 Tonnen menschliches Haar.
Auschwitz wurde zum Synonym für millionenfachen, fabrikmäßigen Mord . Für Folter und Menschenversuche. Für eine bis ins letzte Detail geplante Vernichtungsmaschinerie, für unvorstellbare Unmenschlichkeit. Die industrielle Tötung von Millionen Menschen, die nach den Regeln der Bürokratie, zweckrational und routinemäßig vollzogen wurde, ist eine unfassbare Perversion. Noch bis zum Ende des Krieges ging das Morden weiter.
In Frankfurt/M., die Alliierten standen schon in Frankfurt-Hoechst, wurde die letzte große Deportation vom NS-Regime am 14. Februar 1945 für 302 Personen aus Frankfurt und Umgebung zunächst nach Auschwitz, dann nach Theresienstadt organisiert. Alle konnten ihre Befreiung im Frühjahr erleben. Von den mehr als 10.600 aus und über Frankfurt deportierten Juden überlebten das Ende des NS-Regimes weniger als 600.
Noch im April 1945 wurden im KZ Buchenwald mindestens 7.000 Häftlinge ermordet.
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„ Es war kein Wachtraum, ein lebender Toter stand mir gegenüber. Hinter ihm waren im nebligen Dunkel Dutzende anderer Schattenwesen zu erahnen, lebende Skelette. Die Luft roch unerträglich nach Exkrementen und verbranntem Fleisch. Ich bekam Angst, mich anzustecken und war versucht, wegzulaufen. Und ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Ein Kamerad sagte mir, wir seien in Auschwitz. Es war uns klar, dass etwas Schreckliches über diesem Ort lag. Wir fragten uns, wozu all diese Baracken, die Schornsteine und die Räume mit den Duschen gedient hatten, die einen seltsam Geruch verströmten. Ich dachte an ein paar Tausend Tote – nicht an Zyklon B und das Ende der Menschlichkeit.“
Soweit die Worte eines Soldaten der Roten Armee die am 27. Januar 1945 das KZ Auschwitz befreiten.
Anschließend wurde ein Gesteck und Blumen niedergelegt sowie Kerzen aufgestellt.

Ursula, von der VVN-BdA Koblenz, schilderte am Beispiel der Familie Reinhardt, einer alten Sinti-Familie aus Koblenz, das leidvolle Schicksal der sogenannten „Zigeuner“.

Der nächste Redebeitrag wurde von den Studis gegen Rechts vorgetragen.


Gert schilderte die Entwicklung des heutigen Holocaust-Gedenktages. In der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte war von offizieller Seite nicht daran zu denken. Man wollte nicht damit konfrontiert werden, welches Leid die Deutschen über die Welt gebracht hatten. Dafür sorgten auch die vielen alten Nazis, die schon wieder in Amt und Würden waren. Nur wenige feierten den 27. Januar als Tag der Befreiung des KZ Auschwitz. Darunter die VVN und Überlebende der Schreckensherrschaft. Erst in den 1970ern erlebte er die ersten eigenen Gedenkveranstaltungen während andererseits die Schlussstrich-Debatte aufkam. Mitte der 1990ern gab es dann die erste offizielle Gedenkveranstaltung der Bundesrepublik.

Der VVN-BdA Kreisvorsitzende hielt das Schlusswort:
Die Generalversammlung der UN erklärte im November 2005 den 27. Januar zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist ein „DenkTag“. Ge denken und Nach denken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Gegenwart und Zukunft. Aus diesem Gedenken und Nachdenken entsteht für uns heute die klare Aufforderung, die AfD und andere Nazis zu bekämpfen und zu verhindern. Die AfD ist rassistisch und verfassungsfeindlich, sie missachtet die Menschenwürde.
Wer da anderer Meinung ist, hat aus der Geschichte nichts gelernt und hat ein seltsames Demokratieverständnis.
Es gilt, die Erfolge der AfD bei Wahlen zu stoppen und ihrem Gedankengut entgegen zu treten. Einmischen und widersprechen. Am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis und in der Öffentlichkeit. Antifaschistische Proteste dürfen nicht mehr kriminalisiert werden. Im Gegenteil. Sie haben eine große Bedeutung gegen die Faschisierung der Gesellschaft. Durch das Einbinden von Menschen unterschiedlicher Gruppierungen, Religionen und Herkunft können Antifaschismus, Antirassismus und Antisemitismus noch besser in die Gesellschaft hinein wirken. Rechten und menschenverachtenden Parolen, Taten und politisch Verantwortlichen kann dadurch Widerstand entgegen gesetzt werden. Gerade in der jetzigen Zeit, in der mit wahnsinniger Aufrüstung, Kriegstreiberei und erstarkendem Neofaschismus die Gefahr für Frieden und Demokratie immer bedrohender wird, bleiben wir dabei:
Gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus.
Für Solidarität, Gemeinschaft, Toleranz und Menschlichkeit.
Gedenken an die Opfer heißt für uns,
die nächsten Opfer zu verhindern.
Nach dem Ende der Gedenkveranstaltung wurde spontan entschieden noch zum Gedenkstein für die Sinti und Roma am Moselufer zu gehen und dort ebenfalls Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden.
